Buchtipp des Monats
November 2011
Engel des Vergessens von Maja Haderlap
Maja Haderlap gelingt etwas, das man gemeinhin heutzutage für gar nicht mehr möglich hält: Sie erzählt die Geschichte eines Mädchens, einer Familie und zugleich die Geschichte eines Volkes. Erinnert wird eine Kindheit in den Kärntner Bergen. Überaus sinnlich beschwört die Autorin die Gerüche des Sommers herauf, die Kochkünste der Großmutter, die Streitigkeiten der Eltern und die Eigenarten der Nachbarn. Erzählt wird von dem täglichen Versuch eines heranwachsenden Mädchens, ihre Familie und die Menschen in ihrer Umgebung zu verstehen. Zwar ist der Krieg vorbei, aber in den Köpfen der slowenischen Minderheit, zu der die Familie gehört, ist er noch allgegenwärtig. In den Wald zu gehen hieß eben »nicht nur Bäume zu fällen, zu jagen oder Pilze zu sammeln«. Es hieß, sich zu verstecken, zu flüchten, sich den Partisanen anzuschließen und Widerstand zu leisten. Wem die Flucht nicht gelang, dem drohten Verhaftung, Tod, Konzentrationslager. Die Erinnerungen daran gehören für die Menschen so selbstverständlich zum Leben wie Gott. Erst nach und nach lernt das Mädchen, die Bruchstücke und Überreste der Vergangenheit in einen Zusammenhang zu bringen und aus der Selbstverständlichkeit zu reißen - und schließlich als (kritische) junge Frau eine Sprache dafür zu finden. Eindringlich, poetisch, mit einer bezaubernden Unmittelbarkeit.
Archiv
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August 2011 | Schwarze Diamanten von Martin Walker
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Juli 2011 | Land der Diebe von Kurt Kuch
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Juni 2011 | Keine Frage des Geschmacks von Veit Heinichen
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Mai 2011 | Léon und Louise von Alex Capus
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April 2011 | Zwölf mal Polt von Alfred Komarek
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März 2011 | Der alte König in seinem Exil von Arno Geiger
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November 2010 | Wer bin ich - und wenn ja wie viele? von Richard David Precht
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Oktober 2010 | Es ist nie zu spät von Dietmar Grieser
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September 2010 | Der Feind im Schatten von Henning Mankell









